Ein Höllenritt

Abwechslung zum Kämpfen gibt es in Form von Minispielen zwischendurch oder auch den berüchtigten Hoverbike-Leveln. Die Hoverbikes lösen immer noch ein posttraumatisches Stresssyndrom bei den Spielern und Spielerinnen aus, die sich in den 90ern schon an das berüchtigte Level gewagt haben. Hier prescht euer Charakter eine Strecke runter und es liegt an euch den verschiedenen Hindernissen auszuweichen. Das Original war dabei so schwer, dass viele aufgeben müssten. Blitzschnelle Reflexe und teilweise auch die Erinnerung aus vorherigen Versuche waren notwendig um das Level erfolgreich abzuschließen. Die neue Iteration ist zwar ebenfalls durchaus fordernd, aber nicht mehr so alptraumhaft schwer. Mit ein wenig Geschick lassen sich diese also ebenfalls meistern. Die großzügigen Checkpoints nehmen auch etwas von der Schwierigkeit. Fans der brutalen Herausforderung aus dem Original sind da vielleicht sogar ein bisschen enttäuscht.

Bin ich etwa…alt?

Die Charaktere und Story von Battletoads ist etwas schwerer zu bewerten. Das Ziel dieser beiden Aspekte ist es letztlich ein wenig an den Humor der Spieler zu appellieren. Albern, doof, blödsinnig und sehr direkt beschreibt diese narrativen Inhalte eigentlich am besten. Immerhin waren die Originalspiele eben genau deswegen so populär. Aber der Charme der ersten Teile wird wohl nicht ganz eingefangen. Vielleicht ist es auch der Humor selbst – was in den 1990-er Jahren noch lustig war, ist es womöglich heute einfach nicht mehr. Ganz im Gegenteil, die ständigen One-Liner versuchen zwanghaft cool zu sein und der Austausch der drei Hauptfiguren untereinander wirkt generell hölzern und emotionslos. Während unseres Tests stellten wir uns generell die Frage, ob die Toads schon immer so waren und wir einfach alt geworden sind!

Sicherlich sind die Battletoads auch weiterhin an ein eher junges Publikum gerichtet, aber ein Großteil der Spielerschaft des Originals ist heute vermutlich über 25 Jahre alt und die ein oder andere Pointe an diese Community wäre wünschenswert. Gerade in den Dialogen fällt aber auch auf, dass die Vertonung nicht ganz gelungen zu sein scheint. Die gesprochenen Texte wirken oft seltsam losgelöst von den Geschehnissen auf dem Bildschirm. Immerhin der Soundtrack selbst fügt sich ausgesprochen gut ein – die Kämpfe sind begleitet von fetziger und rockiger Musik, die jeden Schlag unterstützen.

Es ist durchaus möglich, dass wir hier von einem subjektiven Empfinden geblendet werden, aber der zwanghafte Versuch möglichst hip und cool zu sein erreicht in unseren Augen eher das Gegenteil. Die Battletoads wirken eher aufdringlich, unnatürlich und teilweise auch einfach unsympathisch.

Überleben die Frösche in der Moderne?

Wie lässt sich das Spiel also abschließend bewerten? Haben die drei Froschkollegen eine Daseinsberechtigung im Jahr 2020 oder sind sie doch eher ein Standbild des Zeitgeists der 90er-Jahre wie beispielsweise Videotheken?

Mechanisch ist der Sprung definitiv gelungen. Wie eingangs erwähnt sind die Animation flüssig und schön umgesetzt. Das Kampfsystem erlaubt das Experimentieren und findet die Balance zwischen “Easy to learn, hard to master”. Auch optisch brauchen sich die Toads nicht zu verstecken. Der Artstyle hebt sich von dem angestrebten Fotorealismus vieler anderer Titel ab, die cartoonische Welt kann sich in puncto optischer Finesse aber auch sehen lassen. Gameplay und Grafik erfüllen also definitiv ihren Soll, was allerdings nicht von der Story und den Charakteren behauptet werden kann.

Die simple Struktur und die One-Liner sind teilweise so stumpf, dass sie vermutlich nicht mal dem klassischen Pre-Teen ein müdes Lächeln entringen können. Erwachsene Spieler warten eigentlich nur ab, bis sie aus der Sequenz wieder in das gelungene Gameplay einsteigen können. Während des Tests fiel es uns oftmals ausgesprochen schwer nicht einfach den “Skip”-Button zu nutzen.

In Summe sind die Battletoads eine nette Unterhaltung für zwischendurch. Ihre Einbindung in den Game Pass erlaubt es auch mal selbst reinzuschnuppern. Lobenswert ist der Couch-Coop, der heutzutage leider zu selten ist. Selbst das Genre des Sidescroller Beat’em’Up ist inzwischen eine Seltenheit. Wer einfach mal in den Tasten hämmern möchte oder gemeinsam mit den Freunden ein Stündchen Unterhaltung sucht, der kann hier sicherlich zugreifen. Langanhaltende Begeisterung oder tiefergehende Inhalte gibt es hier allerdings nicht.

Battletoads erschien am 20. August für den PC und die Xbox One. Getestet wurde die Xbox One X Version.

1
2
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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Grafik
8
Sound
7
Gameplay
8
Story
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Coop
9
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Elham
Angefangen mit dem ersten N64-Controller in der Hand im zarten Alter von vier Jahren, entwickelte sich Elham von Kindesbeinen an als waschechter Gamer. Mit einer Schwäche für exzellentes Storytelling und einer kompetitiven Ader blieb er zwar den Konsolen immer treu, ist aber ebenso aktiv auf dem PC. Beruflich orientierte er sich ebenfalls an der Spieleindustrie und arbeitet aktuell nach Abschluss des Studiengangs Informatik: Games Engineering als Narrative Designer und leitet nun auch die Plattform Gamercampus.de nebenbei.

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